Aktuell
10 Einladungen zum Jubiläum

Im Mai 2010 eröffnete die erste Ausstellung im Neuen Kunstverein Wuppertal mit dem Titel „Wir laden ein", eine programmatische Gruppenausstellung, zu der die Mitglieder Künstler*innen auswählten und persönlich einluden, um ihre Ideen über zeitgenössische Kunst und zur zukünftigen Ausrichtung des Vereins vorzustellen. Die Entscheidung potenziell alle Mitglieder in die kuratorischen Prozesse einzubeziehen ist im Konzept des Vereins fest verankert. Zehn Jahre später öffnen die Mitglieder ihren Kreis. Zum Jubiläumsjahr verliehen sie unterschiedlichen Persönlichkeiten der Kunst- und Kulturlandschaft eine „carte blanche" und baten Sie, für den Verein Künstler*innen einzuladen. Daraus entstand das Ausstellungsprogramm „10 Jahre Neuer Kunstverein Wuppertal – 10 Einladungen zum Jubiläum".

 
8. Einladung

Christian Haake
revolve
Eingeladen von Kai Kähler

11. Juni - 19. Juni 2021


Christian Haake, white elephant, 2011, filmstill. Foto: Tobias Hübel

Zu sehen ist eine Fahrt in ›slow motion‹ durch eine leerstehende Einkaufspassage mit verlassenen Geschäften und menschenleeren Fluren. Eine labyrinthische und keiner Dramaturgie folgende filmische Vision von unendlichem Leerstand im Loop.
Der Film offenbart nur unterschwellig: Hier ist ein imaginiertes Bild der Wirklichkeit sichtbar, kein Abbild - nur eine Kamerafahrt durch einen gebauten Erinnerungsraum, der als verkleinertes Modell das nicht - maßstabsgerechte Objekt des filmischen Geschehens ist.

Christian Haake thematisiert Leerstellen (in ›white elephant‹ erinnerungsarchitektonischen Leerstand; in ›Blister‹ eine leere Verpackung, nebst leerem Werteversprechen; in ›forever in gloves‹ die „Entleerung“ der konventionellen Sicht auf Alltagsgegenstände, die paradoxe Umkehr von innen und aussen), in denen die Spuren vergangenen Lebens erkennbar bleiben. Er konstruiert Dinge, die an Orte erinnern, die vom Menschen aufgegeben worden sind, in denen sich aber vereinzelt noch Formen verblichener Lebenspraxis eingeschrieben haben. Haake begreift Erinnerung als Wirklichkeit generierende Kraft. Er fertigt seine Arbeiten ohne gedächtnisstützende Mittel mit dem Risiko (und Wunsch), daß sich so ein neues Bild des Realen einstellen wird. (Horst Müller)