Rückblick
Matthias Ruthenberg. ALTABLAGE '21 – zeichnungen, notate, usw.

27. August – 9. Oktober 2021
Geöffnet ab Freitag, 27. August, 17 – 20 Uhr

 


Matthias Ruthenberg, Einladung, ALTABLAGE '21 – zeichnungen, notate, usw., 2021.

 

Als Zeichner sucht Matthias Ruthenberg nach einem sensiblen Zugriff auf das Material der Welt, auf aktuelle politische, gesellschaftliche und soziale Themen. Der Alltag, die poetische Umdeutung scheinbarer Nebensächlichkeit, das Integrieren des Fehlerhaften, das Reduzieren und daraus folgende Öffnen von Sehgewohnheiten, Bildern oder semantischen Konfigurationen, bilden dabei einen Kern seiner Praxis. Seine Zeichnungen, bedingt durch das Medium zurückhaltend, entziehen sich bewusst lauten Appellen, sie arbeiten subtil – mit brüchigen Linien eines Stiftes, Satzfetzen oder einzelnen Wörtern auf Papier, deuten sie Themen an, ohne sie auszuformulieren.

Matthias Ruthenberg sucht immer wieder nach neuen formalen Zugriffen auf das Material der Medien Papier und Stift. Bestimmend in der Ausstellung „ALTABLAGE `21 – zeichnungen, notate, usw.“ sind Zellstofftaschentücher und Farbfilzstifte. Mit unterschiedlichen Vorstellungen verknüpfbar, gehören sie zum Alltag, sind gewöhnlich, billig und stets verfügbar sowie vergänglich. Mit ihrer Verwendung eröffnet er das Feld, auf dem der Kontrast zwischen ihrer Alltäglichkeit und der symbolischen Aufladung, die im Gegenstand stets gleichzeitig vorhanden sind, sichtbar wird. Jeder hat eins in der Tasche doch isoliert betrachtet ist das Taschentuch Sinnbild für Trost, steht für Krankheit, Leid oder Trauer. Filzstifte liegen halb ausgetrocknet auf dem Maltisch und sind dennoch Inbegriff für kindliche Phantasie und Leichtigkeit.
Bestimmend sind gleichsam seine Handlungsabläufe als Teil des künstlerischen Prozesses. In Ihrer körperlichen Ausführung, nicht nur bedingt durch das fragile Material, ebenso wie konzeptionell monoton und aufreibend, entwickeln sie eine Eigendynamik und strukturieren temporär den Alltag des Künstlers.
Während es sich bei den Exponaten Großteils um Atelierarbeiten handelt, spielt der „Immerverfügbarkeitsgedanke“, der dem Material zugrunde liegt, eine wichtige Rolle. Wenn auch mehr konzeptionell als in realer Praxis, er bleibt beim Betrachten der Arbeiten spürbar im Spannungsfeld.


Zur Ausstellung erscheint eine Edition.

 

 

Mit freundlicher Unterstützung durch:



 
8. Einladung

Christian Haake
revolve
Eingeladen von Kai Kähler

11. Juni - 19. Juni 2021


Christian Haake, white elephant, 2011, filmstill. Foto: Tobias Hübel

Zu sehen ist eine Fahrt in ›slow motion‹ durch eine leerstehende Einkaufspassage mit verlassenen Geschäften und menschenleeren Fluren. Eine labyrinthische und keiner Dramaturgie folgende filmische Vision von unendlichem Leerstand im Loop.
Der Film offenbart nur unterschwellig: Hier ist ein imaginiertes Bild der Wirklichkeit sichtbar, kein Abbild - nur eine Kamerafahrt durch einen gebauten Erinnerungsraum, der als verkleinertes Modell das nicht - maßstabsgerechte Objekt des filmischen Geschehens ist.

Christian Haake thematisiert Leerstellen (in ›white elephant‹ erinnerungsarchitektonischen Leerstand; in ›Blister‹ eine leere Verpackung, nebst leerem Werteversprechen; in ›forever in gloves‹ die „Entleerung“ der konventionellen Sicht auf Alltagsgegenstände, die paradoxe Umkehr von innen und aussen), in denen die Spuren vergangenen Lebens erkennbar bleiben. Er konstruiert Dinge, die an Orte erinnern, die vom Menschen aufgegeben worden sind, in denen sich aber vereinzelt noch Formen verblichener Lebenspraxis eingeschrieben haben. Haake begreift Erinnerung als Wirklichkeit generierende Kraft. Er fertigt seine Arbeiten ohne gedächtnisstützende Mittel mit dem Risiko (und Wunsch), daß sich so ein neues Bild des Realen einstellen wird. (Horst Müller)

 
B/U/ILD

4. Juli – 6. August 2021
Eröffnung: Sonntag, 4. Juli, 14 – 18 Uhr
Mit Jonas Kamm, Patrick Lohse, Elizaveta Podgornaia und Isabelle Wenzel.



Jonas Kamm
, Chunk 1, 2019

Digital C-Print, Rendering, 105 × 130 cm.

 


Patrick Lohse, Cool Down Pink, 2018
Aus der Serie: Modus:3x4, C-Print kaschiert auf Plexiglas, 215 × 145 cm.

 


Elizaveta Podgornaia, Drama I, 2019
digitaler C-Print, kaschiert auf Alu-Dibond, 175 x 120 cm.

 


Isabelle Wenzel, Flug 2, 2014
Fine art print, Größe variabel.


B/U/ILD zeigt die Arbeiten vier junger Künstler*innen, die in ihren Fotografien sowohl das Bild als auch das Bilden verhandeln. Es werden Stoffe drapiert, Kulissen gebaut, Posen eingenommen oder Vektoren modelliert. Der unmittelbare Abschluss des dreidimensionalen Schaffensprozesses wird hier jedoch gleichzeitig zum Auslöser einer zweidimensionalen Fotografie. Die bewusste Entscheidung für das Medium als finales künstlerisches Produkt bestätigt die Künstler*innen nicht nur in ihrer Rolle als aktive Bildproduzent*innen, sondern markiert darüber hinaus auch eine Differenz, die durch den Rücktritt aus dem Raum etwas hervortreten lässt. Die Arbeiten von Jonas Kamm, Patrick Lohse, Elizaveta Podgornaia und Isabelle Wenzel erzählen auf jeweils eigene Weise vom Suchen und Finden einer geeigneten Bildform, die sich produktiv zum Dargestellten ins Verhältnis setzt. Darüber hinaus machen sie deutlich, wie leicht der Versuch einer begrifflichen Einordnung der Werke ins Wanken gerät.

 

Begleitprogramm
Samstag, 10.07, 15 Uhr, Führung
Samstag, 24.07, 15 Uhr, Führung (ENTFÄLLT)

Gefördert durch:

 
10 Einladungen zum Jubiläum

Im Mai 2010 eröffnete die erste Ausstellung im Neuen Kunstverein Wuppertal mit dem Titel „Wir laden ein", eine programmatische Gruppenausstellung, zu der die Mitglieder Künstler*innen auswählten und persönlich einluden, um ihre Ideen über zeitgenössische Kunst und zur zukünftigen Ausrichtung des Vereins vorzustellen. Die Entscheidung potenziell alle Mitglieder in die kuratorischen Prozesse einzubeziehen ist im Konzept des Vereins fest verankert. Zehn Jahre später öffnen die Mitglieder ihren Kreis. Zum Jubiläumsjahr verliehen sie unterschiedlichen Persönlichkeiten der Kunst- und Kulturlandschaft eine „carte blanche" und baten Sie, für den Verein Künstler*innen einzuladen. Daraus entstand das Ausstellungsprogramm „10 Jahre Neuer Kunstverein Wuppertal – 10 Einladungen zum Jubiläum".

 
deufert&plischke

I like Erika and Erika likes me

Filmpremiere

Donnerstag, 03.06.2021, 17 Uhr

mit anschließendem Gespräch, digital auf stew.one

und Freitag, 04.06.2021, 17 Uhr

mit einer Reportage über den Workshop von deufert&plischke

 

Während des Festivals ist der Film auch über Vimeo zu sehen:

I like Erika and Erika likes me

Passwort: Erika

Workshops über Zoom:

Donnerstag, 03.06.2021, 11 - 13 Uhr

und Freitag, 04.06.2021, 18 - 20 Uhr,

 

Anmeldung zum Zoom-Meeting bitte im Vorfeld an: Diese E-Mail-Adresse ist gegen Spambots geschützt! JavaScript muss aktiviert werden, damit sie angezeigt werden kann.

 

 

 

 


deuffert&plischke, I like Erika and Erika likes me, 2021, filmstill


Das international tätige Künstler*induo Kattrin Deufert und Thomas Plischke ist Joseph Beuys schon lange auf der Spur. Mit dem Film I like Erika and Erika likes me setzen sich die Beiden nach 2002 erneut mit der Aktion I like America and America likes me (1974) von Beuys auseinander. Die aktuelle Weiterentwicklung und Übersetzung ihrer Performance ins Filmformat basiert auf ihrer jüngsten Beschäftigung mit frühen Zeichnungen von Joseph Beuys. Es sind vor allem die Blätter mit Darstellungen von spinnenhaft anmutenden Frauen mit dünnen Gliedmaßen und ohne Kopf, die Deufert und Plischke faszinieren. Sie assoziieren diese Arbeiten mit dem Mythos der Arachne, der ersten politischen Künstlerin überhaupt. Vielfältige Themen lassen gedankliche Bezüge zu Beuys erkennen: die Kraft des mythologischen Denkens jenseits rationaler Begründbarkeit, die enge evolutionäre Verbindung von Mensch und Tier, Fragen nach der Diversität menschlicher Existenz und nicht zuletzt nach politischer und damit gesellschaftlicher Relevanz von Kunst.


Im Rahmen des Festivals finden zudem am 03. und 04.06.2021 zwei Online-Workshops statt, in denen deufert&plischke die Teilnehmer*innen an ihren Arbeitsweisen teilhaben lassen. Der zweistündige digitale Workshop nimmt Bezug auf zwei wichtige Figuren der Kunstgeschichte: auf die aus der griechischen Mythologie bekannte Arachne – eine kopflose Spinnerin, die ihr Leben riskiert, um als junge Frau ihre Kunst gesellschaftsfähig machen zu können – und auf die Zeichnung „Mädchen, 1957“ von Joseph Beuys. Beuys‘ Arbeit steht insgesamt für eine Öffnung aller menschlichen Bedürfnisse hin zur Kunst. In einer spielvollen Überlagerung von Künstlerin und Zeichnung werden während des Workshops sinnliche Grenzgänge versucht: Wo beginnt und endet unser Körper? Im digitalen Medium Zoom wird gemeinsam gezeichnet und gebastelt, mit geschlossenen Augen körperlichen Prozessen zugehört und miteinander gesprochen. Trotz räumlicher Distanz wird im künstlerischen Durcheinander versucht, eine soziale Nähe herzustellen.


Der Workshop richtet sich an alle Interessierten, Vorkenntnisse sind nicht erforderlich. Eine Anmeldung per Mail an  Diese E-Mail-Adresse ist gegen Spambots geschützt! JavaScript muss aktiviert werden, damit sie angezeigt werden kann. im Vorfeld ist notwendig, um den Zugangslink zum Zoom-Meeting zu erhalten.


Wir freuen uns über den Beitrag zum Festival und Ihren Besuch!


Das Projekt entstand im Auftrag des Kulturbüros Wuppertal für das Festival „Die Unendlichkeit des Augenblicks. Aufführungskünste nach Beuys“ in Kooperation mit dem Neuen Kunstverein Wuppertal

Gefördert von:

Ministerium für Kultur und Wissenschaft des Landes NRW / Kunststiftung NRW / NRW KULTURsekretariat Wuppertal / Landschaftsverband Rheinland / Dr. Werner-Jackstädt-Stiftung / Stadtsparkasse Wuppertal / Firma Knipex / Kulturbüro der Stadt Wuppertal

 

Weitere Informationen zu deufert&plischke

 
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